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Seite 2 von 3 Anfang des Jahres erzählte mir eine Züchterin, dass sie sich eine tolle Hündin aus den USA gekauft hätte. Viel zu teuer, natürlich, aber sie ist es wert, denn sie wäre genau das Mosaiksteinchen, das ihr in ihrer Zuchtplanung fehlte. Diese tolle Hündin wurde dann von einem ebenso tollen Rüden gedeckt, der im entferntesten Teil Europas stand. Allein die anfälligen Reise- und Deckkosten betrugen ein kleines Vermögen und dann...ja dann hatte die Hündin einen Kaiserschnitt und nur einen Welpen. Jeder normale Geschäftsmann würde dazu sagen: Was sich nicht amortisiert, ist ein Konkursunternehmen. Aber Züchter sind halt keine Geschäftsleute. Sie züchten mit dem Herzen und sie verfolgen ideelle Ziele und niemals machen sie eine Kosten-Nutzen-Rechnung auf. Motivation kommt aus dem Bauch Hundezüchter wird man auch nicht, weil man Geld im Überfluss hat und sich nun mal nach einem lustigen Hobby umsieht. Hundezucht man Arbeit, Dreck und Mühe. Hundezucht kostet Schweiss und Tränen, Kraft und Nerven. Das ist nicht wie Golfspielen in schicken Klamotten auf feinem Grün, wo man nur eigene Fehler machen kann. Hundezüchter wird man aus Passion zu seiner Rasse. Als Hundezüchter ist man von vielen äußeren Faktoren abhängig, die man nicht beeinflussen kann. Das fängt mit dem Haus und Garten an und endet meist schon am Nachbarszaun. Die meisten Beschwerden hundefeindlicher Nachbarn haben schon manchen Züchter nicht nur in die Verzweiflung sondern in den finanziellen Ruin getrieben. Ein Päarchen hatte Haus und Grundstück gekauft und alle erfoderlichen Genehmigungen durch die Behörden und den Amtsveterinär. Dennoch haben Nachbarn es geschafft, die offensichtlich in ihrer Wohngegend die beiden wirklich ordentlichen Herren nicht dulden wollten, dass die Hundezucht verboten wurde. Hundezüchter sind emotional erpressbar, das weiss inzwischen jeder. Und da muss es lange nicht um die Hunde gehen. Sie sind nur der Vorwand und es ist ein leichtes, den unerwünschten Nachbarn wieder loszuwerden. Auch Eigentum ist da nicht sicher und wer zur Miete wohnt, ist noch schlimmer dran. Etliche Hundezüchter haben eine ganze Odysee durch Deutschland antreten müssen, nur um einen geeigneten Platz für sich und die Hunde zu finden. Wette auch darüber haben sich die wenigsten je Gedanken gemacht, die so auf die Einnahmen der Züchter neidisch sind. Dann kommen die Zuchtbestimmungen in unserem Land hinzu, die vor jeder "Betreibung" einer Zuchtstätte den Zuchtwarten erlaubt, das Haus vom Keller bis zum Dach, vom Schlafzimmer bis zum letzten Gartenzipfel zu kontrollieren. Um die Mindesthaltungsbedinungen, wie es so schön heisst, zu erfüllen, muss der Züchter etliche und auch nicht gerade kostengünstige Veränderungen vornehmen, An- oder Umbauten und Welpenzwingeranlagen erstellen (lassen) ggf. die Fenster vergrößern, damit genug Licht einfällt, den Boden fliesen lassen, Heizungen einbauen, den Zaun verändern usw. usf. Und dann kann es dem geneigten Züchter passieren, dass die Zuchtstätte dennoch aus der subjektiven Ansicht nach nicht gefällt. Mal ist der Welpenauslauf zu groß, mal zu klein, mal zu steil, mal zu weit ab, mal zu nah am Verkehr, mal zu schattig, mal zu sonnig. Neue Kosten, neue Arbeit. Man will ja schließlich das Beste für seine Welpen. Auch die anderen, erwachsenen Hunde werden inspiziert sowie deren Unterbringung und Allgemeinzustand. Wie ist die Betreuung der Hunde geregelt? Wieviele Hunde und wieviel Betreuungspersonen? Welche Rassen werden noch gehalten? Wie alt sind die Hunde? Merke: Bis zu diesem Zeitpunkt ist noch nicht ein einziger Wurf gefallen. Die Kosten aber summieren sich: Versicherungen, Vereinsbeitrag, Zwingerschutz, Zwingerabnahme, Fahrgeld für den Zuchtwart, An- und Umbauten, Welpenzwinger, ggf. großer Zwinger, möglichst alles vom Feinsten, damit man einen guten Eindruck hinterläßt und ein Aushängeschild für den Verein ist. Hierbei darf nicht gespart werden, auch wenn die Einstiegskosten schon einige Monate des Ausgleichs bedürfen und erst mal wieder "herein" kommen müssen. Das mag man nun drehen und wenden wie man will. Fakt ist ein Loch in der Kasse und das vergrößert sich schneller als einem lieb ist. Es kommen die notwendigen Besuche von Veranstaltungen hinzu. Jeder Züchter möchte mit dem Besten züchten, sonst würde sich Zucht an sich adabsurdum führen. Also müssen die Zuchttiere schon ein paar Erfolge verbuchen können. Die Meldegelder und Reisekosten verschlingen den Großteil der Ersparnisse, selbstverständlich ist auch die optimale Ernährung, denn alle Schönheit und Gesundheit geht nun mal zum Maul hinein und beste tierärztliche Betreuung. Hinzu kommen ggf. Erwerb einer neues Zuchthündin, die Zuchttauglichkeitsuntersuchungen, Ankörungen, DNA-Tests, Hundepäße und Deckkosten, Reisekosten und Aufzuchtskosten, Chippen, Impfungen, Wurmkuren, Ahnentafeln, Wurfabnahmen, Werbekosten usw. Jeder ordentliche Züchter muss einige Hunde als Stammhunde behalten. Diese werden älter und fallen nach 8 Jahren aus der Zucht. Damit sind sie (zum Glück) aber nicht weg, sondern leben in der Regel noch weitere 5-8 Jahre. Sie müssen genauso gut und ggf. besonders gefüttert, versorgt und betreut weren, einige werden im Alter krank und bedürfen gesonderte tierärztliche Versorgung. Jungtiere müssen behalten und wiederum auf den Weg gebracht werden. Wenn alles gut geht und nichts passiert, alle Hunde gesund bleiben und nur mit gelegentlichen Verletzungen leben, dann kann der Züchter froh sein, wenn er durch seine Würfe die Kosten gerade mal deckt. Das ist vom Chihuahua bis zur Deutschen Dogge nicht anders. Emotionale Erpressbarkeit Je erfolgreicher nun ein Züchter ist, umso größer wird die Nachfrage nach seinen Welpen. Das wiederum hat zur Folge, dass der Züchter auch genug Zuchthündinnen behalten oder kaufen muss, um wenigstens im Jahr zwei Würfe ziehen zu können. Die Zuchtspanne ist relativ kurz. Einmal im Jahr darf eine Hündin belegt werden, d.h. wenn sie gesund und fit ist, könnte sie theoretisch in ihrem Leben maximal 7 Würfe haben(* Nachtrag neu= im DWZRV ist die Anzahl der Würfe auf vier beschränkt worden). In der Praxis werden aber pro Hündin durchschnittlich nur 3 bis 5 Würfe gezogen, sehr, sehr oft auch weniger. Das heißt, dass ein Züchter mindestens immer 3 Hündinnen im zucht(bestimmungs)fähigen Alter besitzen muss, um den Anschluss nicht zu verlieren. Nach spätestens 6 Jahren muss er sich Neues herangezogen haben, damit die vakante Stelle wieder besetzt ist. Schnell kommt er dann mit seinen Veteranen nach 11 Jahren schon auf eine stattliche Anzahl von 9 Hündinnen mindestens. Die Fütterung von 9 Hunden kostet allein je nach Rasse von 9,- bis 18,- € pro Tag, das sind im Jahr 3.285,- bzw. 6.570,-€. Rechnen wir einfach über den Daumen nur 20 Veranstaltungen pro Jahr, an denen der Züchter mit seinen Hunden teilnimmt, oft sind das jedoch wesentlich mehr, schließlich werden uns an die 70 Ausstellungen und genausoviele Renn- und Coursingveranstaltungen geboten. Und das schlägt noch mal zu Buche, denn nach oben ist alles offen. Diese Kosten gehören direkt zur Zucht hinzu und dürfen m.E. keineswegs vom Tisch gewischt werden, was viele zwar gern tun, weil sie meinen sie nehmen mit ihren Hund auch teil ohne Züchter zu sein. Richtig: diese engagierten Hundefreunde machen es aber freiwillig. Ein Züchter hingegen ist dazu verpflichtet, seine Nachzucht auch zu präsentieren. Würde er es nicht tun, dann wären schnell die bösen Zungen da, ihn einen Vermehrer zu nennen. Auch hier muss er manche Dinge tun, die er sich vielleicht gar nicht leisten kann. Wer einen gesunden Ehrgeiz hat, kommt eh nicht drum herum. Was würden ihm all seine tollen gezüchteten Hunde nützen, wenn die Welt davon nichts mitbekommt. Schließlich hat er eine Idee und die muss er auch zeigen. Und es ist auch ein Weg neue Besitzer für seine künftigen Welpen zu bekommen. Ohne Käufer hätte sich seine Zucht schnell von allein erledigt. Jeder Mensch hat das Recht, für gute Arbeit einen angemessenen Lohn zu erhalten. Ein außenstehender kluger Mensch, der einiges über erfolgreiche Hundezüchter mitbekommen hat, die innerhalb von 40 Jahren eine Rasse aus dem Nichts an die Spitze gezüchtet hatten, fragte mich: "Es kann doch nicht möglich sein, dass Menschen, die ein Leben lang die Besten in ihrem Job waren, am Ende nicht einen Pfennig davon haben?" Gute Frage! Wie ist es denn nun möglich? Wenn Züchter sich doch angeblich die Taschen füllen, kann hier etwas nicht stimmen. Oder ist es doch eher so, dass bei einer sorgfältigen seriösen Hundezucht nichts an großen Gewinnen rauskommt? Die unterschwellige Meinung in der Hundeszene ist: Wer sich einem Hobby verschreibt, darf nicht erwarten, dass ihm andere seinen Spaß bezahlen? Na ganz so spaßig ist es ja nicht, wie schon im Artikel Hundezucht - Hobby oder Profession zu lesen war. Viele Hundehalter und reine Theoretiker, die niemals im Leben je einen einzigen Wurf gezogen haben und Züchter nur von Besuchen mit drolligen Welpenkindern her kennen, meinen es ist alles so schön und mache doch nur Freude. Was wissen sie von den Hintergründen? Was kennen sie von den Ängsten und Sorgen, den Nöten und Entbehrungen? Eine designierte leider viel zu früh verstorbene erfolgreiche Cockerspaniel-Züchterin sagte mir, nachdem sie ihre Zucht aufgegeben hatte, dass die Lebensqualität eines aktiven Züchters gleich null ist. Mit ein paar Hunden könne man wenigsten noch verreisen oder sich ein zwei Tage Auszeit gönnen. Aber mit einem kompletten Bestand ist man mehr oder weniger rund um die Uhr ans Haus gefesselt. Und dort hat man nie seine Privatphäre, weil Hundeleute dazu neigen sich nicht an Geschäftszeiten zu halten und die meisten Besuche zweckmäßigerweise an den Wochenenden stattfinden. Das alles weiss niemand, der die Sache nur von außen betrachtet. Man stelle sich vor, es handele sich um einen anderen Familienbetrieb, der ein Exlusivprodukt herstellt, das begehrt ist und nur von dieser Manufaktur hergestellt werden kann, sozusagen nach einem Geheimrezept. Würde nur ein einziger Mensch auf die Idee kommen, dem Chef vorzuwerfen, er würde damit Geld verdienen wollen?
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